Katrin in Kanada

Wednesday, November 29, 2006

I’m dreaming of a white… eh, not really.

Erinnert ihr euch, als ich erwähnte, Victoria sei "die Stadt mit dem mildesten Klima in Kanada" (ich habe sogar irgendwo was von "sub-mediterran" gelesen)? Mit einer durchschnittlichen Temperatur von 9 Grad (plus!) im November? HA! Nicht dieses Jahr. Hier schneit es nur so alle zehn Jahre, und dieses Jahr war es soweit. An einem normalen Wochenende hätte es von Freitag bis Sonntag geregnet. Letztes Wochenende hat es von Samstag bis Montag geschneit. Fünfundzwanzig Zentimeter Schnee überall, wo man hinblickt. Das nennt sich dann "Schneesturm", auch wenn kein Wind im Spiel ist. Und das beste: die Stadt hat keine Räumfahrzeuge (die wurden nämlich vor ein paar Jahren an Vancouver verkauft), kein Budget zum Räumen und nur wenige Leute besitzen Schneeschaufeln. Irgendwo auf dem Highway 1 ist eine Stromleitung runtergekommen, und tausende Haushalte sind ohne Strom und Wasser. Am Montagmorgen war alles total chaotisch, ich habe mich gar nicht erst gefragt, ob Busse fahren und bin gleich durch den Schnee zur Arbeit gestapft. Über Nacht ist es richtig kalt geworden, und am Dienstag war der ganze Matsch gefroren. Was für ein Spaß, denn nun sind die meisten Gehwege und die Nebenstraßen mit einer dicken Eisschicht bedeckt. Inzwischen sind die Hauptstraßen und die Innenstadt geräumt. Die aktuelle Temperatur: -5º. Heute morgen wurde eine offizielle Wetterwarnung herausgegeben: es soll noch mehr schneien. Und danach, ja was denn sonst, regnen...

Tuesday, October 24, 2006

Feature: Busfahren in Nordamerika

Busfahren, ist doch einfach, kann doch jeder. Meint Ihr vielleicht. Aber hier kommt der ultimative Filmtip. Nachdem ich schon bei BCTransit nachgeguckt habe, wie man sein Fahrrad auf den Fahrradhalter am Bus auflädt, kommt hier der nächste Kassenschlager aus Seattle: How to ride a Metro Bus. Einfach klicken unter 'Watch a 16 minute video on how to ride the bus'. Sehr unterhaltsam!

Seattle – Victoria in weniger als 12 Stunden

Ein weiteres 'Hurra!' auf die phänomenale Infrastruktur von Vancouver Island und das öffentliche Verkehrssystem. Abmarsch im Hostel: 13 Uhr. Stadtbus Nummer 4 um 13:30. Quick Coach (Seattle – Vancouver) um 14:05. Überquerung der Grenze; die Frage-und-Antwort-Stunde mit dem Grenzbeamten ist irgendwie entspannter als in der anderen Richtung. Ankunft am Flughafen Vancouver mit Verspätung um kurz vor 18 Uhr. Hahaaahh, und die gewünschte Stadtbushaltestelle namens 'Airport Station' ist gar nicht am Airport, sondern ein Stückchen weiter draußen. Außerdem fährt der nächste Bus erst so spät, dass ich die 19-Uhr-Fähre vergessen kann. Also warte ich auf den Pacific Coach, der um 19:20 kommen soll. Er kommt eine halbe Stunde später, doch das ist egal, denn der Fahrer weiß sogar schon, dass die 21:00-Fähre Verspätung hat. Fahrt zum Fährhafen in Tsawwassen und Warten im Bus. Die Fähre trudelt um 21:45 ein und fährt um 22:15 ab. Kommt um 23:45 in Swartz Bay an. Um 0:30 bin ich endlich zu Hause, weil ich glücklicherweise auf der Fähre einen Arbeitskollegen getroffen habe, der mich heimgefahren hat (it’s a small world), sonst hätte es mit Bus und Taxi noch länger gedauert. 150 Kilometer in 11 Stunden – wieso bin ich nicht gleich geschwommen?

Let’s get caffeinated!

Am Samstag musste ich zuerst auf den Pike Place Market, gleich um die Ecke, das ist einer der ältesten öffentlichen Märkte in Nordamerika, und die Fische fliegen dort (weil sie von den Händlern über die Köpfe der Besucher geworfen werden). Da hab ich mir doch lieber einen Kafffe in DEM Starbucks geholt. Das erste überhaupt, 1971 eröffnet und eins von über 350 in der Stadt, aber es gibt ja auch noch andere Ketten... nicht umsonst ist Seattle die Stadt mit der höchsten coffee shop-Dichte in den USA. Oh, Verzeihung, ich sehe gerade, dass das nicht stimmt. Listenführer beim coffee shop index ist Anchorage, Alaska (weil es da so kalt ist). Mit 628 Cafés auf knapp 2,5 Mio. Einwohner ist Seattle 'nur' auf Platz 2.


Nächste obligatorische Station in der 'emerald city' war der/die/das Space Needle. Bei herrlichem Sonnenschein (angeblich regnet es hier auch gerne mal 40 Tage am Stück) hatte ich einen suuuper Blick in alle Richtungen, inklusive Mount Baker (meistens auch von Victoria aus zu sehen) und Mount St. Helens. Ach so, oben gibt es selbstverständlich auch ein Starbucks. Danach habe ich mich ein wenig in der Innenstadt umgeschaut und war abends mit zwei schweizer Mädels in Man of the Year im Kino. Am Sonntagmorgen hab ich noch eine Underground Tour mitgemacht. Dazu muss man wissen: das Zentrum von Seattle wurde vor nicht allzu langer Zeit auf einem Sumpf erbaut (tolle Idee) und ist buchstäblich im Dreck versunken. 1889 gab es ein großes Feuer, bei dem alles abgebrannt ist, und da wurde alles einfach aufgeschüttet und ein paar Meter weiter drüber wieder aufgebaut. Was zur Folge hat, dass unter den meisten Häusern, Bürgersteigen und Straßen Hohlräume sind und man also fünf Meter unter dem Erdboden auf der Straße von 1907 spazieren gehen kann, das ist ein komisches Gefühl.

Seattle - metronatural

Häh, was ist das denn? Na, die allerallerneuste Werbekampagne für Seattle, nicht mal eine Woche alt. Und ich war dabei, als es anfing. Na, jedenfalls hab ich mich am Freitagabend in einen Highspeed-Katamaran gesetzt und war gute zweieinhalb Stunden später in Seattle, Washington. Aber erst nachdem ich vorher die Fingerabdrücke meiner Zeigefinger und ein Foto beim Immigration Office gelassen habe und das fünfminütige Kreuzverhör über mich habe ergehen lassen. Man kann so einen Immigration Officer ganz schön verwirren, wenn man mit der Fähre reinfährt und mit dem Bus raus, soviel dazu. Kaum hatte ich im Hostel eingecheckt, war ich auch schon wieder unterwegs – freitags gibt es nämlich umsonst TheatreSports... das ist Impro-Theater und sehr lustig. Aber irgendwie schlecht zu beschreiben, also guckt es euch selbst an.

Turkey Weekend in Vancouver

Den Turkey Sale (nein, wir haben doch nur geguckt und nichts gekauft) setzten wir in der Innenstadt von Whistler fort – nun kann ich wirklich behaupten, in mindestens 90% aller Outdoorläden gewesen zu sein. Danach wieder Sea to Sky, äh, Sky to Sea zurück nach Vancouver und ein paar Bier im Pub auf dem Campus. Am Samstag lecker frühstücken in der Cambie Street mit Jans Verwandtschaft (Schwester von dem Cousin von seiner Mutter), dann auf einem Farmers Market bummeln und endlich mit dem Fahrrad um den Stanley Park cruisen, das habe ich beim letzten Mal nicht geschafft. Cruisen im wahrsten Sinne des Wortes, denn es war ein pinkes Cruise-Bike. Zu Fuß noch einmal Innenstadt und zurück. Und abends... ein feines Dinner in einem italienischen Restaurant, wo der Sohn von dem Cousin von Jans Mutter als Koch arbeitet.


Am Sonntag wollte ich unbedingt nochmal auf den West Broadway – das ist die Outdoormeile überhaupt. Ich bin fest davon überzeugt, dass es keinen anderen Ort auf dieser Welt gibt, wo man mehr Zelte, Kanus oder Schlafsäcke kaufen kann.

Sea to Sky

Am Mittwoch ging es mit Millie (1978er Mercedes, stark angerostet) mit der Fähre von Nanaimo nach Horseshoe Bay und den Highway 99 nordwärts. Man nennt ihn auch den 'Sea to Sky Highway': hinter einem das Meer, links und rechts Berge und Seen und drumherum ganz viel Himmel. Im Dunkeln sieht man davon leider nicht viel. Deshalb Zwischenstation in Squamish im Hostel und am nächsten Morgen weiter nach Whistler. Dazu muss man wissen: 2010 werden in Vancouver und Whistler die olympischen Winterspiele ausgetragen. Bis dahin muss noch viel getan werden, zum Beispiel den Highway zwischen den zwei Orten (bisher meist nur eine Spur in jede Richtung) ausbauen. Dazu braucht man viel Sprengstoff, viele Geräte, viele Bauarbeiter und viele Bauarbeiter-Mädels mit Fahnen und Stop/Slow-Schildern in der Hand, die einen mit einem freundlichen Lächeln zum Anhalten oder Langsamfahren zwingen. Und als Autofahrer – viel Zeit und Geduld. In Whistler angekommen, wollte ich ja gerne mit der Gondel auf den Gipfel fahren... aber das geht nur am Wochenende. Und zum Hardcore-Mountainbiken hatte ich keine Lust. Also nur eine kurze Wanderung um den Lost Lake herum und zur Belohnung... shoppen!


In der Blackcomb Base (das ist eigentlich eine Skiliftstation) haben wir uns in einen Skisachen-zu-
Schleuderpreisen-Verkauf eingeschmuggelt (eigentlich war da
s nur für Mitarbeiter, aber wir sind auch so reingekommen) und an Bergen von Menschen vorbei durch Berge von Schnäppchen gewühlt. Den Namen hat der Verkauf dadurch, dass er offiziell am Thanksgiving-Wochenende startet (FYI: das kanadische Thanksgiving ist früher als das amerikanische; immer am 2. Montag im Oktober) und an Thanksgiving nun mal ein dicker Truthahn in den Ofen kommt. Der 9. Oktober heißt hier dementsprechend auch 'Turkey Day'. Übernachtet haben wir in der rustikalen Jugendherberge am Alta Lake (bitte vor Eintreten die Schuhe ausziehen).

Wednesday, October 11, 2006

Surfen bei 6 Grad Wassertemperatur

Weil Tofino nun mal einer der zwei Orte ist, in denen man in Kanada surfen kann, und weil die Wellen des Pazifiks zwischen Japan und Tofino kaum von Hindernissen gebremst werden, bleibt einem nichts anderes übrig, als – richtig – zu surfen. Jan hatte es schon ausprobiert und war so geil aufs Surfen, dass er uns nicht lange hat schlafen lassen. Die Bretter gab es für umme von Daniel; die Neoprenanzüge mit Schuhen und Handschuhen haben wir uns im Surf Shop geliehen. Und dann ging es ab an den Long Beach, den berühmtesten und größten Strand in der Gegend. Ich konnte mich noch gut an meine anfänglichen Surf-Versuche am Atlantik, in Lacanau vor 10 Jahren erinnern... und genauso war es auch hier. Schon alleine beim Versuch, sich nur auf das Board zu knien, fällt man gnadenlos ins Wasser. Dann muss man das blöde Brett wieder weiter vom Stand wegziehen und fängt von vorne an. Welle aussuchen. Drauflegen. Mitpaddeln. Versuchen, aufzustehen und... platsch. Wenn aber dann mal eine Welle kommt, und man im richtigen Moment das Richtige getan hat, und dann (und wenn es nur im Liegen oder Knien ist) von der Welle bis ans Ufer getragen wird – ja dann hat man alle Strapazen vergessen und ist überglücklich. Ging mir leider am ersten Tag nicht so.


Dafür aber am zweiten. Wir sind ja sogar noch früher aufgestanden (Danke, Jan!), weil wir es vor der Rückgabe der wetsuits nochmal wissen wollten. Also standen wir um 9 Uhr morgens (!) als Erste (!) am Strand von Cox Bay und mussten uns fürchterlich überwinden, um in die nassen und kalten Neoprenanzüge zu steigen. (Außerdem ist es nicht wirklich einfach, wenn der Anzug noch nass ist.) Die Mühe hat sich gelohnt, und diesmal habe selbst ich es geschafft, mich sagenhafte 2 Sekunden im Stehen auf dem Brett auf der Welle zu behaupten!


Wale und andere Lebewesen

1. Oktober 2006. Am Sonntagmorgen schauen wir kurz am Strand vorbei, und dann reist Anette schon wieder weiter; sie hat einen Greyhound-Marathon vor sich und will eineinhalb Tage später in Edmonton sein. Jan und ich gehen zu Jamies Whaling Station und buchen einen Trip zur Hot Springs Cove mit dem Zodiac (so ner Art Speed-Schlauchboot). Der knallrote 'Raumanzug' hält auf der wackeligen Fahrt durch die 'outer passage' (Meer, nichts als Meer) schön warm und trocken. Zuerst sehen wir irgendwelche delphinähnliche Lebewesen, die durch das Wasser hüpfen (der Name ist mir entfallen), dann ganz oft ein bißchen Grauwal und viel Atemwolke von ebensolchem, sogar einmal die Schwanzflosse vom Wal, dicke, fette Seelöwen, die sich auf einem Felsen in der Sonne aalen und kleine flinke Seeotter.

Angekommen im Maquinna Provincial Park wandern wir gut 20 Minuten durch den Wald und kommen an der heißen Quelle an... die Luft ist kalt, aber das Wasser schööön warm (ungefähr 40 Grad). Während man also genüsslich in einem wohltemperierten Wasserloch sitzt, kann man wunderschön entspannen und in aller Ruhe hinterlistige kanadische schwarze Eichhörnchen beobachten, die aus der Keksschachtel gekrabbelt kommen und mit einem chocolate chip cookie im Maul wegflitzen. Die Rückfahrt durch die 'inner passage' (Berge und Meer) war nicht so wackelig, aber kälter – dafür gab es nochmal viel Atemwolke und wenig Wal zu sehen. Anja kam aus Vancouver vorbei und wir haben ein schönes Lagerfeuer am Middle Beach gemacht. Und ich habe gelernt, dass man – bevor man in den Wald geht – laut 'Booo!' rufen muss, um die Bären zu erschrecken.

Regenwald und Bier

29. September 2006. Anette kommt über Umwege aus Toronto vorbei, und wir steigen am frühen Samstagmorgen (8:15 Ortszeit... und noch nichts los in der City) in den Tofino-Bus, der sagenhafte fünfeinhalb Stunden braucht, um auf dem Pacific Rim Highway durch echten Regenwald die halbe Insel zu überqueren (Hey, der Greyhound hätte 7 gebraucht!) und uns in DAS Surfer-Dorf Kanadas zu bringen: Tofino. Es ist zwar nur ein kleiner Ort, dafür ist hier aber alles und jeder viel cooler als anderswo. Wir kommen bei Daniel unter, der einen Job in der Middle Beach Lodge hat und noch ein wenig Platz in seinem Zimmer der 'staff accomodation'. Abends ist 'First Annual Beer Fest' im Ort: für 30 CAD gibt es ein 'German buffet' (Burger, sogar vegetarische, und Kartoffelsalat) 'plus other goodies from the land of beer' (=Würstchen mit Sauerkraut) und Bier, soviel man trinken kann. 38 Sorten von 13 Brauereien. Aber nur von 15 bis 19 Uhr. Um Punkt 7 wird man dann ganz im Sinne der kanadischen Gastfreundlichkeit hinauskomplimentiert; das Wort 'Sperrstunde' wird in diesem Land nämlich sehr ernst genommen. Naja, so gegen 8 waren wir also wieder zurück in der Unterkunft und sind nach und nach ins Bett gefallen – es hat sich sowieso angefühlt wie 2 Uhr morgens nach einer durchzechten Nacht.

Beautiful British Columbia

Nach wochenlange Abstinenz im Blog (es ist einfach nichts passiert hier... und ich hatte viel Arbeit) kann ich endlich mal wieder was berichten. Und zwar von meiner Woche Urlaub, die ich mir noch schnell genommen habe, bevor das fiese Regenwetter einsetzen soll. Bis jetzt bin ich weitgehendst davon verschont geblieben... naja, zweimal hatte ich, was Latifa 'Unterbodenwäsche' nennt. Stellt Euch einfach vor, es regnet, Ihr fahrt Fahrrad und habt hinten kein Schutzblech. Da bin ich aber gleich in meinen Lieblingsladen MEC (Mountain Equipment Co-Op) und habe mir eins zum Dranschrauben geholt... seitdem bleibt der Hintern trocken... und es hat auch kaum mehr geregnet.

Wednesday, September 06, 2006

Vancouver, not Island

(Week 6) 28. August – 3. September. Flucht von der Insel. Sie ist zwar wunderschön, aber auf Dauer (und vor allem ohne Auto) ein bißchen langweilig. Und weil das weekend kein normales war, sondern das Labour Day Weekend, war der Montag ein Feiertag – sowas muss man ausnutzen. Um 17:45 saß ich also im Bus; um 19:00 ging die Fähre und um 21:30 war ich in der großen Stadt, die nach Captain George Vancouver benannt ist. Eine lange Reise, wenn man bedenkt, dass die Entfernung zwischen Victoria und Vancouver nur 100 km Luftlinie beträgt...



Gleich am Samstagmorgen bin ich auf den Lookout, das ist der Harbour Centre Tower, von dem aus man einen super Ausblick auf die Stadt und die Berge hat. Dann natürlich in die Innenstadt und auf den Commercial Drive (Multi-Kulti-Straßenmeile) und West Broadway, dort sind die ganzen Outdoor-Shops. Vom Chinatown Night Market war ich ja schon ein bisschen enttäuscht (es gibt dort den gleichen Ramsch wie in jedem Chinaladen – mit live musikalischer Unterhaltung. Habt ihr schon mal Lieder aus Disney-Filmen auf Chinesisch gehört? Ich schon. Glaubt mir, es ist nichts, was man weiterempfiehlt.), aber wenigstens war das Essen gut und billig. Mit Frederik, einem anderen ABE-Praktikanten, den ich zufällig auf der Fähre traf, hab ich mir dann im Kino 'Bon Cop – Bad Cop' angeschaut... ein sehr, sehr lustiger kanadischer Film über zwei Polizisten (einer aus Québec, der andere aus Ontario), die zusammen an einem Fall arbeiten müssen, obwohl sie sich hassen, und denen ständig komische Dinge passieren. Gut, dass es Untertitel gab, immer wenn jemand 'Fronsösisch' gesprochen hat, denn das kanadische klingt halt sehr merkwürdig und ist nicht einfach zu verstehen. Soviel kann ich nur sagen: 'tabarnac' scheint ein schlimmes Schimpfwort zu sein. Abends bin ich dann gleich nochmal auf den Lookout... auch schön, aber leider hat da meine Kamera nicht kooperieren wollen. Muss ich wohl noch den richtigen Modus rausfinden.




Am Sonntag bin ich durch Gastown marschiert, das ist das historische Stadtviertel gleich neben dem Hostel, und habe mir im Storyeum die Geschichte von British Columbia als einstündige Theatervorstellung angesehen. Und im Chinesischen Garten habe ich einen Tee getrunken und die Steine bewundert. Abends war 'maple table' (Treffen mit anderen DKG-Leuten) im Malones Pub. Am Montag war ich dann im Anthropologie-Museum der UBC (University of British Columbia)... das ist auf einem Riesengelände ganz weit draußen, dafür aber gleich am Strand. Das Museum an sich ist... nennen wir es interessant, aber von oben bis unten vollgepackt mit Indianer-Kram. Oh, Entschuldigung, das heißt hier 'first nations'. Es gibt Vitrinen, in denen furchtbar viele Sachen zu sehen sind, aber leider steht nicht dran, was man da alles sieht. Und dann kann man an so Schränken lauter Schubladen aufmachen und noch mehr Sachen sehen und dann im Katalog dazu nachblättern, um was es sich genau handelt. Anstrengend halt. Um halb vier nachmittags fuhr dann auch schon wieder der Bus zurück auf die Insel... ohohoh, und ich habe meine ersten Wale gesichtet! Von der Fähre aus! Die waren ziemlich weit weg! Aber es waren Wale! Killerwale!

Go Rebels!

(Week 5) 21. – 27. August. Go Rebels! Oder: Eine Einführung in die Regeln des 'Canadian Football' (ähnlich, aber nicht zu verwechseln mit 'American Football'!) am Beispiel eines Spiels der BC Junior Football League (ist nicht so brutal wie im Fernsehen). Samstagnachmittag, 16 Uhr, Royal Athlectic Park, Victoria Rebels (die Roten) gegen Chilliwack Valley Huskers (die Gelben), die Sonne knallt vom Himmel. Zwölf Spieler auf jeder Seite (und noch unzählige mehr auf der Ersatzbank, die keine ist, sondern einfach nur der Rand vom Spielfeld) versuchen, so viel Raum wie möglich zu gewinnen und den Ball in die gegnerische Endzone zu bringen. So ein Feld hat ziemlich viele Querstreifen (alle 10 Yards), an denen dann immer dran steht, wie weit sie von der Endzone entfernt sind, und mehrere Leute tragen immer so zwei aneinandergekettete Fähnchen hin und her, um das aktuelle Feld abzustecken (oder sowas in der Richtung). Außerdem laufen noch ganz viele gestreifte Schiedsrichter (einer davon geschätzte 140 cm groß) auf dem Feld rum und werfen ein gelbes Tuch in die Luft, wenn jemand gefoult wurde. Es gibt für jedes Team drei Versuche (downs), den Ball in die Endzone zu bringen. Sobald ein Spieler mit dem Ei dann die Zone erreicht, muss man aufspringen und 'touchdown' rufen (also Belohnung wird man mit Bonbons beworfen); genauso sorgen die pubertierenden und dauergrinsenden Cheerleaders dafür, dass mann auch immer brav brüllt und jubelt. Für einen Touchdown gibt es dann 6 Punkte; man kann aber auch über die Torpfosten werfen, dann gibt’s 3 Punkte... für andere Situationen bekommt man auch Punkte, doch das hab’ ich mir jetzt so genau auch wieder nicht gemerkt. Ein Spiel wird in viermal 15 Minuten ausgetragen, doch beim besagten Spiel dauert schon alleine das erste Viertel eine Stunde, weil ständig aus mir unverständlichen Gründen die Uhr angehalten wird. Die anderen drei quarters sind nach ungefähr schon einer halben Stunde aus, so dass wir dann nach knapp dreieinhalb Stunden erleichtert aus dem Stadion wanken. PS: Natürlich haben die Victoria Rebels gewonnen. Haushoch mit 71:6.



Tuesday, August 22, 2006

It’s Tee Time

(Week 4) 14. – 20. August. Am Donnerstagabend stand Golfen für die Mitarbeiter auf dem Programm. Ja, ich. Ja, Golfen. Das ist ja nun eine der Sachen, die ich sonst nie ausprobiert hätte. Es war, wie ich es befürchtet hatte: ich bin darin genauso unbegabt wie bei anderen Sportarten, in denen ein Ball und ein Schläger vorkommt. Na, jedenfalls sind wir nach der Arbeit zum Prospect Lake gefahren und haben unser Glück versucht (Hinweisschild: Golf Balls Can Kill!). Ich war in der internationalen Anfängermannschaft, zusammen mit einer russischen Praktikantin und einem chinesischem Mitarbeiter mit seiner Frau, die das alle wenigstens schon einmal ausprobiert hatten. Es hat nichts geholfen, wir haben am Ende noch den Preis für das Team mit den meisten Schlägen abgeräumt (und das, obwohl wir nicht einmal alle Löcher gespielt hatten). Als kleines Präsent gab es ein Dutzend Golfbälle. Ich habe keine Ahnung, was ich damit anfangen soll... Wenigstens blieben wir vom Preis für den ‚weirdest shot’ (komischsten Schlag) verschont – er ging an eine Dame, die ein Reh abschoss. Am Wochenende war im Hafen von Victoria das Dragon Boat Festival (Drachenbootfestival). Da paddelten also viele Mannschaften um die Wette, es gab viel gute Musik und nicht so gute Milchshakes, und das ganze war eine Veranstaltung zugunsten der Krebsstiftung. Einige der Rudermannschaften bestanden nur aus Frauen, die Brustkrebs hatten! Zum Abschluss des Sonntagabends spielte Peter Frampton im Royal Theatre... that was rock!

Thursday, August 17, 2006

Happy BC Day

(Week 3) 7. – 13. August. Der erste Montag im August ist hier BC Day, also ein Feiertag, der dazu dient, damit sich die arbeitende Bevölkerung ausruhen kann. Sehr nett. Wir sind weiter westwärts am Pazifik entlang gefahren (wo ganz viele Bäume stehen), und dann auf dem Heimweg am Cowichan Lake vorbei, auf einer 26 km langen Schotterstraße durch eine Gegend, in der viele Sägewerke stehen (und nicht mehr ganz so viele Bäume). Die restliche Arbeitswoche verlief unspektakulär. Eigentlich sollte ich sehr, sehr glücklich sein, denn endlich wird meine Vorliebe für die modernen Methoden der Informationsbeschaffung anständig gewürdigt: hier werde ich fürs Googeln bezahlt! (Und davon habe ich schon immer geträumt.) Auf Dauer ist das aber dann doch ein bißchen langweilig, aber für solche Momente habe ich ja noch andere Aufgaben zu erledigen. Am Donnerstag bin ich beim Joggen am Strand... ähm... umgefallen. Genauer gesagt, es ist mir ein Hund zwischen die Füße gelaufen und hat mir mein Gleichgewicht geraubt. Sowas ist mir auch noch nicht passiert. Am Sonntag war ich ‚tubing’ am Shawnigan Lake; ein tube ist so eine Art Gummiboot, das von einem Wasserscooter (oder wie auch immer das heißen mag – hier nennt man es zumindest sea-doo) gezogen wird und richtig abgehen kann. Ich hab mich jedenfalls halb tot gelacht...

Tuesday, August 08, 2006

Wo bin ich?

Ein Satz, den ich in letzter Zeit öfters hörte: Ach, cool, du gehst nach Vancouver. Nein, ich bin nicht nach Vancouver gegangen, sondern Vancouver Island. Das liegt links daneben (nicht gerade einen Katzensprung entfernt). Und ist, wie der Name schon sagt, eine Insel. 460 km lang und 80 km breit. Eineinhalb Stunden mit der Fähre bis Vancouver und drei bis Seattle. Ich bin in der Hauptstadt, Victoria, an der Südspitze der Insel. Ach, seht doch einfach selbst!

New job

(Week 2) 31. Juli – 6. August. Montagmorgen fühlt sich in Kanada auch nicht anders an als anderswo. Um 9 Uhr trete ich meinen Dienst an, und nach den üblichen Formalitäten und Rundgängen nehme ich meinen Platz in vollklimatisierten Großraumbüro ein. Was ich im Internet über Abebooks gelesen habe, stimmt: Es gibt einen Tischkicker im Pausenraum. Montags und Donnerstags einen Obstkorb in der Küche, und mittwochs Bagels und Donuts. Dazu riesige Kühlschränke mit allen möglichen Getränken, an denen man sich jederzeit bedienen kann, und Kaffee und Tee. Und Popcorn. Das ist besonders fies, denn man riecht es im ganzen Büro, wenn sich jemand was davon in der Mikrowelle macht. Draußen sind es nur wenige Schritte bis zur Wasserfront. Mein offizieller Titel lautet 'Marketing and Business Development Coop', und ich werde diese Woche jedem hier im Marketing ein wenig über die Schulter schauen, hauptsächlich Internetrecherche machen (Google rules!) und einen Kalender mit sämtlichen Buchmessen in Nordamerika erstellen (Excel sucks!). Abends gehe ich dann total fertig und mit brummenden Schädel hier raus, und es ist mit mir nicht mehr viel anzufangen. Meistens schlafe ich dann so gegen 11 vorm Fernseher ein... Nächsten Montag ist Feiertag; am Sonntagabend fahren Jan & ich westwärts an der Küste entlang und schnuppern frische kalte Meeresluft.

Jetlag ohne Ende

(Week 1) Day 1: 26. Juli 2006. Dass der Flug gute 2 Stunden Verspätung hatte, wusste ich schon lange vorher aus dem Internet. Es half nichts, wir hatten ein Date um 7:30 am Air Canada-Schalter, also musste ich mich trotzdem so früh auf den Weg zum Flughafen machen. Dort trudelten dann so nach und nach die anderen knapp 80 Studenten des diesjährigen Sommerprogramms der Deutsch-Kanadischen Gesellschaft (DKG) ein. Der Flug an sich verging nur langsam, und dass wir auch noch fünf Stunden gegen die Zeit flogen, machte es auch nicht besser. Ankunft also nachmittags, und schon alleine vom am-Flughafen-Warten und im-Flieger-Rumsitzen total fertig. In gelben amerikanischen Schulbussen (ja, die aus dem Fernsehen) ins Hostel Canadiana gefahren. Für einige Glückliche unter uns (ich gehörte dazu) hat die Zeit nach dem Einchecken noch für eine kurze Dusche gereicht, da ging es schon weiter ins Delta Chelsea Hotel zum Barbeque der DKG, mal wieder eine mäßig interessante Veranstaltung, bei der kein Grill im Spiel ist (auch wenn man das so denken mag).

Day 2: 27. Juli 2006. Aufgewacht in Toronto, Ontario. Trotz Jetlag und einem aufregenden Tag zuvor früh aufgestanden, und nicht einmal die free pancakes um 9:30 im Hostel abgewartet. Mit Julia und Veronika durch die Stadt gezogen: Frühstück am Ufer des Lake Ontario, Kaffee bei Second Cup Coffee Company, Mittagessen bei Subway und dazwischen jeweils viele gelaufene gelaufene Kilometer in der Stadt. Termin im SWAP (Students Working Abroad Program) Office: Begrüßung einer sehr, aber wirklich sehr, motivierten Mitarbeiterin: you’ve made it to Canada, yeaaaahh! Welcome, wooohooo! Nervig ohne Ende. überflüssige Einführung in das Leben in Kanada. Canada is a veeery big country. Yeah! Nützliche Informationen zu Arbeiten, Steuern (nicht) zahlen und anderen vermeintlich wichtigen Dingen des Lebens (You may be on a working holiday but HIV never takes a holiday!/Don’t drink and drive) inklusive. Danach total fertig ins Hostel geschleppt. Abendessen im food court des shopping center. Später noch ein Bierchen downtown.

Day 3: 28. Juli 2006. Fünf Uhr dreißig am Morgen. Es regnet in Toronto. Bipbip-wiuhwiuh-bipbip-wiuhwiuh... wir brauchen gute zehn Minuten, um schlaftrunken zu kapieren, dass das ein Feueralarm ist. Ach nee, ist bestimmt nur im Nachbarhaus. Doch vor dem Fenster auf der Straße sind immer mehr bekannte Stimmen zu hören. Und das Geräusch kommt von der Rezeption in unserem Haus. Wir schwingen uns aus den Federn, stellen uns im Schlafanzug zu den anderen auf die Straße und beobachten, wie die gut ausgerüsteten Feuerwehrmänner das Hostel stürmen. Nach zwanzig Minuten dürfen wir wieder zurück ins Haus. War natürlich Fehlalarm. An nochmal schlafen legen ist nicht zu denken, also gibt’s Tee und Internet in der Lounge. Um halb 9 sollten die Taxis kommen, doch es gab einen mega-Stau auf dem Highway. Der Flug nach Vancouver geht um 10:30; unser Taxi kommt gegen 9 und braucht angeblich eine Stunde bis zum Flughafen, doch glücklicherweise schafft es der indische Fahrer schon in einer halben Stunde, so dass wir dann doch noch rechtzeitig vor dem Flug ankommen. Also wieder mal gegen die Zeit fliegen, und das, obwohl ich mich noch nicht einmal in der ersten Zeitzone zurechtgefunden habe. In Vancouver holt uns die Chefin von Bene mit ihrem Freund ab. Wir schaffen es trotz hundert schlechter Vorzeichen als allerletztes Auto auf die drei-Uhr-Fähre. Soviel Glück muss man haben! Die eineinhalbstündige Überfahrt von Tsawwassen (sprich: tah-wos-sen) nach Swartz Bay ist wunderschön, die Sonne scheint und der Wind bläst uns auf dem Deck entgegen, während wir die Inseln und Ufer bestaunen. Danach gibt’s noch eine kleine Rundfahrt durch die schönsten Orte auf Vancouver Island und downtown Victoria. Ich bezog mein vorläufiges Zimmer (bis Ende August) in der Kellerwohnung von Pamela, die einen neugierigen Pudel namens Charlie ihr eigen nennt, der immer hinter einem herschnüffelt.

Day 4: 29. Juli 2006. Noch zu Fuß erkunde ich die schnuckelige City von Victoria und halte Ausschau nach Fahrradläden, die gebrauchte Räder verkaufen, bis mir die Füße qualmen. Der Zuschlag geht an ein blaues Trekkingrad inklusive rotem Helm mit Stacheldrahtmotiv, denn Helm tragen ist hier Pflicht und macht Sinn, wenn man die Größe der Autos bedenkt. Angeblich soll Victoria die radfahrerfreundlichste Stadt von ganz Kanada sein – es gibt tatsächlich Radwege, doch leider kümmert das die Autofahrer genauso wenig wie daheim. Mit meiner neuen Errungenschaft kurve ich über die Hügel der Stadt, bis ich nicht mehr kann.

Day 5: 30. Juli 2006. Weiter geht’s auf dem Fahrrad in Richtung Norden der Stadt – weitaus fahrradunfreundlicher als der Rest – oder hat es damit zu tun, dass ich nicht genau weiß, wo ich hinwill? Den Stadtplan interpretiere ich jedenfalls fehlerhaft, und anstatt an meiner zukünftigen Arbeitsstätte vorbeizuradeln, komme ich bei Walmart raus. Musste ich natürlich gleich mal gucken, was es da so alles gibt. Ein nicht gerade schöner Walmart, aber immerhin ein Walmart. Danach Bene im Wohnheim der Uni abgeholt, auf eine Bank am Carboro Bay gesetzt und nach Amerika rübergeschaut.

Saturday, August 05, 2006

Und nun zum Wetter...

Damit ihr auch wisst, wieviel Uhr es hier ist und wie wenig Grad es im August nachts haben kann. Und damit Ihr auch ein bißchen Mitleid mit mir habt, bittebitte. Meine Füße sind kalt. Und wenn ich kalt sage, dann meine ich schweinekalt.


Kanada für Anfänger

So, hier kommen die ersten Lebenszeichen aus Kanada. Soweit kann ich nur sagen: es ist hier nachts schon kälter, als ich dachte und Kanadier sind sehr, aber auch wirklich sehr freundliche Leute. Wenn man zum Beispiel im Supermarkt an der Kasse zur Begrüßung gefragt wird, wie es denn so geht (How you doin'?), dann wollen sie das auch wirklich wissen und tun nicht nur so! In Amerika würde man ausgelacht werden, wenn man auf eine solche Frage antwortet (denn es ist nur eine Floskel) - hier wird zur Not noch einmal nachgefragt. Ansonsten nervt, dass die Lebensmittel hier ganz schön teuer sind (ich träume immer mal wieder von Aldi) und dass die Preise im Laden immer netto angegeben sind, man bezahlt also immer mehr, als dranstand und garantiert einen saudummen krummen Betrag. Ich habe inzwischen schon eine richtige Kleingeldsammlung im Portemonnaie, weil ich die Münzen immer noch nicht so auf die Schnelle sortieren kann...