Katrin in Kanada

Tuesday, August 08, 2006

Jetlag ohne Ende

(Week 1) Day 1: 26. Juli 2006. Dass der Flug gute 2 Stunden Verspätung hatte, wusste ich schon lange vorher aus dem Internet. Es half nichts, wir hatten ein Date um 7:30 am Air Canada-Schalter, also musste ich mich trotzdem so früh auf den Weg zum Flughafen machen. Dort trudelten dann so nach und nach die anderen knapp 80 Studenten des diesjährigen Sommerprogramms der Deutsch-Kanadischen Gesellschaft (DKG) ein. Der Flug an sich verging nur langsam, und dass wir auch noch fünf Stunden gegen die Zeit flogen, machte es auch nicht besser. Ankunft also nachmittags, und schon alleine vom am-Flughafen-Warten und im-Flieger-Rumsitzen total fertig. In gelben amerikanischen Schulbussen (ja, die aus dem Fernsehen) ins Hostel Canadiana gefahren. Für einige Glückliche unter uns (ich gehörte dazu) hat die Zeit nach dem Einchecken noch für eine kurze Dusche gereicht, da ging es schon weiter ins Delta Chelsea Hotel zum Barbeque der DKG, mal wieder eine mäßig interessante Veranstaltung, bei der kein Grill im Spiel ist (auch wenn man das so denken mag).

Day 2: 27. Juli 2006. Aufgewacht in Toronto, Ontario. Trotz Jetlag und einem aufregenden Tag zuvor früh aufgestanden, und nicht einmal die free pancakes um 9:30 im Hostel abgewartet. Mit Julia und Veronika durch die Stadt gezogen: Frühstück am Ufer des Lake Ontario, Kaffee bei Second Cup Coffee Company, Mittagessen bei Subway und dazwischen jeweils viele gelaufene gelaufene Kilometer in der Stadt. Termin im SWAP (Students Working Abroad Program) Office: Begrüßung einer sehr, aber wirklich sehr, motivierten Mitarbeiterin: you’ve made it to Canada, yeaaaahh! Welcome, wooohooo! Nervig ohne Ende. überflüssige Einführung in das Leben in Kanada. Canada is a veeery big country. Yeah! Nützliche Informationen zu Arbeiten, Steuern (nicht) zahlen und anderen vermeintlich wichtigen Dingen des Lebens (You may be on a working holiday but HIV never takes a holiday!/Don’t drink and drive) inklusive. Danach total fertig ins Hostel geschleppt. Abendessen im food court des shopping center. Später noch ein Bierchen downtown.

Day 3: 28. Juli 2006. Fünf Uhr dreißig am Morgen. Es regnet in Toronto. Bipbip-wiuhwiuh-bipbip-wiuhwiuh... wir brauchen gute zehn Minuten, um schlaftrunken zu kapieren, dass das ein Feueralarm ist. Ach nee, ist bestimmt nur im Nachbarhaus. Doch vor dem Fenster auf der Straße sind immer mehr bekannte Stimmen zu hören. Und das Geräusch kommt von der Rezeption in unserem Haus. Wir schwingen uns aus den Federn, stellen uns im Schlafanzug zu den anderen auf die Straße und beobachten, wie die gut ausgerüsteten Feuerwehrmänner das Hostel stürmen. Nach zwanzig Minuten dürfen wir wieder zurück ins Haus. War natürlich Fehlalarm. An nochmal schlafen legen ist nicht zu denken, also gibt’s Tee und Internet in der Lounge. Um halb 9 sollten die Taxis kommen, doch es gab einen mega-Stau auf dem Highway. Der Flug nach Vancouver geht um 10:30; unser Taxi kommt gegen 9 und braucht angeblich eine Stunde bis zum Flughafen, doch glücklicherweise schafft es der indische Fahrer schon in einer halben Stunde, so dass wir dann doch noch rechtzeitig vor dem Flug ankommen. Also wieder mal gegen die Zeit fliegen, und das, obwohl ich mich noch nicht einmal in der ersten Zeitzone zurechtgefunden habe. In Vancouver holt uns die Chefin von Bene mit ihrem Freund ab. Wir schaffen es trotz hundert schlechter Vorzeichen als allerletztes Auto auf die drei-Uhr-Fähre. Soviel Glück muss man haben! Die eineinhalbstündige Überfahrt von Tsawwassen (sprich: tah-wos-sen) nach Swartz Bay ist wunderschön, die Sonne scheint und der Wind bläst uns auf dem Deck entgegen, während wir die Inseln und Ufer bestaunen. Danach gibt’s noch eine kleine Rundfahrt durch die schönsten Orte auf Vancouver Island und downtown Victoria. Ich bezog mein vorläufiges Zimmer (bis Ende August) in der Kellerwohnung von Pamela, die einen neugierigen Pudel namens Charlie ihr eigen nennt, der immer hinter einem herschnüffelt.

Day 4: 29. Juli 2006. Noch zu Fuß erkunde ich die schnuckelige City von Victoria und halte Ausschau nach Fahrradläden, die gebrauchte Räder verkaufen, bis mir die Füße qualmen. Der Zuschlag geht an ein blaues Trekkingrad inklusive rotem Helm mit Stacheldrahtmotiv, denn Helm tragen ist hier Pflicht und macht Sinn, wenn man die Größe der Autos bedenkt. Angeblich soll Victoria die radfahrerfreundlichste Stadt von ganz Kanada sein – es gibt tatsächlich Radwege, doch leider kümmert das die Autofahrer genauso wenig wie daheim. Mit meiner neuen Errungenschaft kurve ich über die Hügel der Stadt, bis ich nicht mehr kann.

Day 5: 30. Juli 2006. Weiter geht’s auf dem Fahrrad in Richtung Norden der Stadt – weitaus fahrradunfreundlicher als der Rest – oder hat es damit zu tun, dass ich nicht genau weiß, wo ich hinwill? Den Stadtplan interpretiere ich jedenfalls fehlerhaft, und anstatt an meiner zukünftigen Arbeitsstätte vorbeizuradeln, komme ich bei Walmart raus. Musste ich natürlich gleich mal gucken, was es da so alles gibt. Ein nicht gerade schöner Walmart, aber immerhin ein Walmart. Danach Bene im Wohnheim der Uni abgeholt, auf eine Bank am Carboro Bay gesetzt und nach Amerika rübergeschaut.

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